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HAL@: DIS Magazine

11. November 2011 · 1 Kommentar

Dekonstruktive, postutopische ArtFashion-Meditation – oder so…

Wenn man auf DIS Magazine gelangt, gerät die Kategorisierungsmaschine im Hirn sehr schnell an ihre Grenzen, so unterschiedlich, eigenartig und unvereinbar wirken die Einträge zunächst. Die Knotenpunkte Discover-Distaste-Dystopia-Dysmorphia-Disco, um die sich herum das Webzine spinnt, sind auch erstmal keine große Hilfe. Den Machern Lauren Boyle, Solomon Chase, S. Adrian Massey III, Marco Roso, Patrik Sandberg, Nicholas Scholl und David Toro, allesamt in der Kunst-, Mode- und Medienwelt beheimatet, geht es genau darum: Die Verschmelzung von Fashion, Kunst, Hype und Internet auseinanderzugliedern, wieder zusammenzudenken und mitzuentwerfen. Und so kreuzen sich auf dem in alle Richtung wachsenden Spielfeld des Magazins ironische LifeStyle-Utopien wie der Khakiism mit Diskussionen über das Verhältnis von Kunst und Protest in England, die Bewertung der Frühjahrskollektion 2012 mit Breakcore-Mixtapes (DEV/NULL!) und eine kapitalismuskritische Analyse des Wortes “Maßgeschneidert” mit dem Entwurf der Diskea-Modelinie, die Ikea-Nippes zu preisgünstigen fashion accessoires umfunktioniert. Und falls ihr noch nicht für die laufende Saison gewappnet seid, werft einen Blick auf die dekonstruktiven Winter-Trends 2011, wie z.B. der weltmännische Uhren-Halsreif:

Hier geht unglaublich viel zusammen und das bearbeitete Spannungsfeld Kunst-Mode-Medien macht im Resultat ebenso ein kritisches Web-Fashionmagazin als Gesamtkunstwerk. HAVE A LOOK!

further|Rhizome Interview

→ 1 KommentarTags: Digitalkultur · Future · Internet · Kunst · Mode

Der Tod der Tastatur

7. November 2011 · Keine Kommentare

Keyboard: if (Strg = Alt){Entf;}…

Wir touchen und swipen, pinchen und sliden – aber who still presses any key? Tablet computer und smart phones haben sich die Tastatur einverleibt und geben diese nur noch virtuell wieder. Das alte interface des Tastendrucks wird digital simuliert und wir rücken scheinbar dichter an die Maschine heran, denn wir dürfen sie jetzt berühren und es fühlt sich so verdammt intuitiv an. In Microsofts Vision für 2019 hat die Tastatur den zukünftigen multi-touch devices das Feld völlig überlassen. Doch wenn die Alternativlosigkeit eines ubiquitären Alltagsgegenstands zu bröckeln beginnt, öffnet sich für ihn das Spiel der De- und Rekontextualisierung. Die Tasten sind bereits in die Materialliste der Kunst aufgenommen, wie die nachfolgenden Werke in unterschiedlicher Weise belegen.


Street Art: Sidewalk Keyboard in Brüssel. via|Flickr


Sampietrini (2008) von Graziano Russo. via|acidolatte


Untitled (2010) von Maurice Mbikayi. via|acidolatte


Antisocial Network I (2010) von Maurice Mbikayi. via|acidolatte


Oh why so serious? (2008) von Paul Chan. via|Juxtapoz

(Dieser Eintrag wurde mit Hilfe einer Cherry Tastatur erstellt)

→ Keine KommentareTags: Future · Kunst · Street Art · Technologie

Animierte 3D Computer-Grafik von 1972(!)

22. Oktober 2011 · Keine Kommentare

Dawn of the Polygons…

Robby Ingebretsen ist nicht nur Designer aus Seattle, sondern auch der Sohn seines Vaters Robert B. Ingebretsen. Dieser wiederum war nicht nur ein Pionier in Sachen “Digitaler Sound”, sondern arbeitete 1972 auch mit Frederic Parke und Ed Catmull zusammen an den ersten digitalen Filmen überhaupt. Letzterer ist niemand geringeres als der Gründer der Pixar-Studios. Und Robby – vom Anfang des Artikels – hat einen kurzen Film hochgeladen, der damals als Arbeitsdokumentation und “Making of” gedreht wurde. Schon hier wurden Gegenstände in Polygonraster zerlegt, um sie anschließend animieren und rendern zu können. Das Rendern hat übrigens 2,5 Minuten pro frame gedauert – trotz 400.000$ teuren Equipments! Der Film selbst verwendet 50er-Jahre-Jazz als Soundtrack und Stummfilm-Paratexte zur Erläuterung, was damals vielleicht als überspitzter Kontrast gedacht war. Heute jedoch unterstreicht der Anachronismus den musealen Charakter dieser digitalen Arbeiten.

Die Filmsequenzen sind natürlich auch in der Pixar-Dokumentation “The Pixar Story” gefeatured, auch wenn die Firma erst 1979 gegründet wurde. Drei Jahre zuvor erschienen die Sequenzen im Film “Futureworld” als Animationen auf den Bildschirmen im Kontrollzentrum und waren damit auch die ersten digitalen Animationen in Realfilmen. Interessant zu lesen sind auch Ingebretsens Text zum Film, sowie ein Kommentar auf Cartoon Brew.

Dieselbe Ästhetik findet sich ganze 14 Jahre später im Video zu “Musique Non Stop” von Kraftwerk wieder.

→ Keine KommentareTags: Animation · CGI · Musikvideo · Retro · Technologie

Kirby Ferguson – Everything is a Remix

4. Oktober 2011 · Keine Kommentare

Alles ist ein Remix eines Remixes eines Remixes

Kirby Ferguson, ein New Yorker Filmemacher, hat sich in einer vierteiligen Web-Doku den Themen der Kreativität und Originalität gewidmet. Die These der Reihe ist auch ihr Titel: Everything is a Remix. Der Begriff “Remix”, der in der Entstehungszeit des HipHops im Bezug zur Tätigkeit des sampling stand, wird im (optisch noch etwas kantigen) ersten Teil zunächst im Kontext verortet und von dort als allgemeine und grundlegende Kulturtechnik begriffen. Nachdem also Zitate und Plagiate im ersten Teil vor allem im Bereich der Musik thematisiert werden, widmet sich die zweite, visuell bereits ausgereifte Folge dem Kino. Der dritte Teil nimmt technische Innovationen am Beispiel des personal computer ins Blickfeld und wird auch in den Aussagen umfassender: Kopie, Transformation und Kombination sind die wesentlichen Bestandteile menschlicher Kreativität. Sie entspringt nicht aus dem Nichts oder aus dem Genie, sondern immer nur vor dem historischen Hintergrund einer unendlichen Masse kultureller Leistungen anderer.

Die Dokumentation zeigt einige sehr interessante und gut recherchierte Beispiele von Zitaten in Musik und Film, die nach dem Abspann nochmal eine Vertiefung erfahren. (Für Tarantino-Fans gibt es auch ein kommentarloses Bonus-Video zu Kill Bill – für Ferguson die “Master Thesis of Remix” des Regisseurs). Auch die kulturellen Zusammenhänge in der technischen Entwicklung sind sehr informativ. Die wohl überlegte Machart der Webserie wird von einer ausführlichen Sample- und Referenz-Liste begleitet, die pro Episode bis zu 50 Einträge aufweist. All das wird durch den flüssigen Schnitt und ansprechender Optik zu einem wirklich sehenswerten Projekt.

Bislang fehlen jedoch die theoretischen und kritischen Untertöne: über eine schöne und geschmeidige Feststellung kommt Ferguson noch nicht hinaus. Implikationen aus Kuhnscher Wissenschaftstheorie, dem Tod des Autors nach Foucault und Lyotards Postmodernem Wissen drängen sich zwar auf, werden aber weder als Krise noch als Kritik formuliert (zu denken wäre u.a. an Urheberrechte, Kunstproduktion, Patentierung, Genieästhetik, Deutungshoheit, etc.). Aber zum einen steht der vierte Teil ja noch aus – er soll Ende Oktober erscheinen – und zum anderen bestätigen sich Film und Theorie durch ihre impliziten Verbindungslinien eigentlich nur gegenseitig.

→ Keine KommentareTags: Dokumentation · Film · Musik · Popkultur · Remix-Kultur · Technologie · WebTV

Brandon Blommaert: Omni Gate Supercel

28. September 2011 · Keine Kommentare

Abstrakte GIF-Ströme…

Die Internet-Galerie “Fach & Asendorf Galery” zeigt unter dem Titel “Omni Gate Supercel” derzeit 23 fantastische GIF Animationen des Montreal basierten Künstlers Brandon Jan Blommaert.

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In isometrischer Ansicht entstehen aus Quadern abstrakte Skulpturen, die sich in organischen Fließbewegungen aufbauen, anschwellen und wieder auflösen. Dabei wird der dreidimensionale Eindruck durch ein nuancenreiches und ausbalanciertes Farbspiel verstärkt. Während die meisten GIFs sich stark über die Flächigkeit definieren, eröffnet sich bei Blommaerts ein dreidimensionaler Raum. Der Loop ist perfekt getimed, die Figur verschwindet so bestimmt wie sie auftaucht, um sich dann von neuem entfalten. Vor ästhetischer Verzückung kann man auch nach der zwanzigsten Wiederholung den Blick nicht abwenden, denn die Anordnung der Animationen in ein variables Tryptichon eröffnet den Raum für detailreiche Form-, Farb- und Bewegungsinteraktionen.

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Auch die älteren Arbeiten Blommaerts sind einen Blick wert: Neben weiteren außergewöhnlichen GIF-Loops zeigt sich in seinem Blog, dass er auch in Animationen, Skulpturen und Bildern ganz eigene und faszinierende Ausdrucksformen findet. Wie zum Beispiel in der neuesten Animation “Black Moon”:

→ Keine KommentareTags: Animation · Ausstellung · Digitalkunst

Art404: 5 Million Dollars 1 Terabyte

24. August 2011 · Keine Kommentare

The Art of File Piracy…

Die amerikanische Digitalkunst-Galerie Art404 (Miami/NY) stellt derzeit das Werk “5 Million Dollars 1 Terrabyte” aus, eine 1TB-Festplatte, randvoll gefüllt mit raupkopierter Software und illegal heruntergeladenen Dateien im Wert von 5 Millionen Dollar. Dazu gibt es eine einsehbare PDF-Datei, in welcher die Warez-Schätze mit Dateigröße und Wert aufgelistet werden, sowie Downloadlinks zu den jeweiligen Torrents und DDLs.

Art404: 5 Million Dollars 1 Terabyte

Die schwarze, nicht unstylische Festplatte bleibt für den Betrachter wahrlich eine black box, denn dieser kann ohne einen Computer den Inhalt niemals überprüfen, noch benutzen. Anders als bei der wertverdichtenden Skulptur “For the Love of God” von Damien Hirst – ein mit 8601 Diamanten besetzter Platinabguss eines Schädels – verbürgt hier nur eine PDF-Datei den Wert, der sich im digitalen Tresor verbergen soll. Selbst dieser ist zweifelhaft, und hier entfaltet 5M$1TB seine Bedeutungsebenen: Es sind hypothetische Werte von unlizensierten Dateien, die sich wiederum auf immaterielle Güter beziehen. “Raubkopien” stellen einen Diebstahl dar, ohne dass etwas materiell fehlt. Die digitale Reproduzierbarkeit der Kulturgüter unterläuft ihren Tauschwert. Diese Bewegung vollzieht die ausgestellte Fesplatte an sich selbst nach, gibt sie doch jedem die Möglichkeit, das Werk in identischerweise “nachzugestalten”. So werden die Ambivalenzen von immateriellen Gütern, abstrakter Preisbestimmung und technischer Reproduzierbarkeit schließlich auf die Kunst selbst übertragen.

via|netzpolitik.org

→ Keine KommentareTags: Digitalkunst · Medienkunst · Warez